Berlin/Daressalam/Heerbrugg – Nach dem höchstgelegenen Punkt des Globus, dem Mt.Everest, trägt nun auch die mächtigste Erhebung Afrikas GPS-Mass: 5892 Meter. Diese gegenüber den bisherigen Karten um drei Meter tiefere Höhenangabe ist das Resultat einer Vermessungsexpedition europäischer und tansanischer Experten*. Als die "Kulminationspunkte" der tektonischen Kontinentalplatten sind auch diese beiden Berge unablässig in Bewegung. Aber wie schnell, wie stark, und in welche Richtung?
Nur wenn man die "Startpunkte" und die dreidimensionale Form dieser Kontinentalplatten genau kennt und in regelmässigen Zeitabständen ihre Lage und Höhe exakt nachmisst, lassen sich diese Fragen beantworten. Das ist eine Aufgabe, die sich erst seit Einführung der Satelliten-Messtechnik und besonders des Globalen Positionierungs-Systems (GPS) lösen lässt. Wir stehen damit nicht nur an der Schwelle eines neuen Jahrtausends unserer Zeitrechnung, sondern auch der Erkenntnisse über unsere Erde.
GPS sogar zur Erdbebenwarnung
An kritischen Stellen unseres Globus, und besonders in dicht besiedelten Gebieten wie San Francisco, reicht eine diskrete Überwachung in grösseren Zeitabständen nicht. Fachleute bestimmen mit den gleichen Leica GPS-Präzisionsgeräten nicht nur die Gipfel der Welt, sondern zum Beispiel auch auf den japanischen Hauptinseln rund um die Uhr Erdbewegungen. Leica GPS-Systeme MC1000 wurden auch direkt auf den beiden riesigen Pfeilern der längsten Hängebrücke der Welt montiert, welche über die 110 Meter tiefe und stürmische Akashi-Meeresenge führt. Sie über wachen die Brückenstruktur millimetergenau in Echtzeit und lösen bei starken Positionsveränderungen die sofortige Sperrung der Brückenzufahrten aus.
Der Höchste war auch der GPS-Erste
Die Geschichte der GPS-Weltgipfelvermessung beginnt in Asien auf dem Mt.Everest. Ein GPS-System 300 von Leica Geosystems stand im September 1992 erstmals auf seinem Gipfel. Unter der Leitung des Triester Geologen Giorgio Poretti hatte ein Forschungsteam chinesischer, nepalesischer, italienischer und französischer Bergsteiger und Geodäten die Höhe des "Jomolangma" (Tibetisch für "Göttin-Mutter der Erde") mit GPS-Satellitensignalen neu bestimmt.
Porettis "Jahrhundertvermessung" vorausgegangen war 1988 die Behauptung des amerikanischen Geologen Wallerstein, dass der K2 noch höher sei als der Mt. Everest. "8846 Meter über dem Meeresspiegel" lautete das mit klassischen und GPS-Vermessungstechniken von Porettis Team gleichzeitig ermittelte Everest-Resultat. Das waren 232 Meter mehr als beim K2, der von Porettis "Ev-K2-CNR"-Team im Jahre 1996 ebenfalls neu bestimmt wurde.
Als der Universalgelehrte Alexander von Humboldt im Jahre 1800 Lateinamerika bereiste, galten die Andengipfel noch als die höchsten Berge unseres Globus. Sie steigen steil direkt am Pazifik-Rand auf, während die Himalaja-Riesen Hunderte von Kilometern von der Küste entfernt sind. Erst als der Engländer James Nicolson den Mt.Everest-Gipfel 1849 – vor genau 150 Jahren – erstmals im Theodolit-Fadenkreuz angezielt hatte, erkannte man im Himalaja den wirklichen Dachfirst der Welt.
Kilimanjaro und Matterhorn – und ein Stück Afrika in Europa
Gemeinsam ist Himalaja und Anden, dass sie wahrscheinlich nach wie vor wachsen. Wie die Alpen, sind diese Berge das Resultat aufeinander treffender Kontinentalplatten und magmatischer Kräfte aus dem Erdmantel. Die indisch-australische Platte schiebt sich nördlich unter die asiatische und baut den Himalaja auf, und im Pazifik schieben Magmaströme Platten auseinander und türmen die Anden in die Höhe. Die Tatsache, dass das Matterhorn – mit seiner markanten Dreiecksform Inbegriff eines Berggipfels – aus ursprünglich afrikanischem Stein entstanden ist, zeugt vom Druck der afrikanischen Platte auf und unter dem europäischen Kontinent. Aus welchem Grund der Kilimanjaro – ein Vulkan - im weltweiten ITRF-Referenzsystem mit 5892 Metern nun drei Meter kleiner ist, als bisher in den Karten angegeben, müssen weitere Studien zeigen: Schrumpft er wirklich oder waren die damaligen Vermessungsmethoden zu ungenau?. Mit der Messkampagne 1999 des europäisch-tansanischen Teams ist dafür eine verlässliche Basis geschaffen.
Mt.Everest-Vermesser Giorgio Poretti hat sich kürzlich dem Alpenbogen zugewandt und unter anderem das Matterhorn neu vermessen. Dabei kamen auf der Bergspitze und an den italienischen und Schweizer Bergflanken die gleichen Leica GPS 500 Systeme zum Einsatz wie auf dem Kilimanjaro. Ob das Matterhorn im Gegensatz zum Kilimanjaro weiter "gewachsen" ist, wie Fachleute vermuten, wird man aber erst im Dezember 1999 nach Auswertung der Messresultate wissen.
* Die Bekanntgabe dieser Daten erfolgte am 25. November 1999 gleichzeitig in Berlin und in Dar-es-salam (Tansania) durch die Teamleiter Eberhard Messmer und John Saburi sowie die beteiligten Experten der Universität Karlsruhe, der Fachhochschule Karlsruhe/Hochschule für Technik, sowie der UCLAS, Universität Daressalam.
Die höchsten Berge unserer sechs Kontinente
Kontinent Höchster Berg Höhe über Meer
Asien Mt. Everest 8846 Meter*
Amerika Aconcagua 6959 Meter**
Afrika Kilimanjaro 5892 Meter*
Antarktis Vinson massif 5140 Meter**
Europa Mont Blanc 4808 Meter**
Australien Mt. Kosciusko 2230 Meter**
* Vermessen mit Leica GPS 300/500 in diesem Jahrzehnt; Kilimanjaro-Vermessung bereits im neuen weltweiten ITRF-Referenzsystem.
** Vermessen mit Leica Theodoliten in diesem Jahrhundert