Das Geodätische Institut der Technischen Universität München führte für das Deutsche Archäologische Institut in Damaskus (Syrien) Vermessungsarbeiten an den Überresten einer ehemaligen römischen Siedlung, zu der auch ein Kastell gehörte, durch. Diese befestigte Anlage namens Al Hallul war Teil der um 300 n.Chr. entstandenen, nach ihrem Erbauer Kaiser Diokletian als "Strata Diocletiana" benannten, östlichen Grenzbefestigung der Römer.
Al Hallul befindet sich zirka 50 km südlich der Euphrat-Siedlung Al Mansura und liegt an der Nordwestseite eines kleinen Hügels, der in der unmittelbaren Umgebung die einzige Erhebung darstellt, mit einer Höhe von 334 m ü. M. Die Ausdehnung der innerhalb befestigter Mauern gelegenen Stadt beträgt ca. 400 mal 220 m, das Kastell in der Mitte der Siedlung misst 40 m 40 m. In etwa 120 m Entfernung schliesst sich im Norden eine Zisternenanlage an und etwa 350 m westlich davon befinden sich die Überreste zweier Landhäuser aus jüngerer Zeit (ca. 600 n. Chr).
Im Laufe der Jahrhunderte haben Ereignisse wie Erdbeben sowie die Einwirkungen von Wind und Sonne aus der kleinen Stadt eine Hügellandschaft geformt. Zur weiteren Zerstörung trugen und tragen die Beduinen bei, indem sie - trotz des Verbots syrischer Verwaltungsstellen - Steine der Anlage zum Bau neuer Häuser verwenden. Die Vermessung war nötig geworden, um die Dokumentation der Befestigungsanlagen entlang der ehemaligen Grenze fertigzustellen.
Die Vermessung erfolgte mit Leica Totalstationen. Zunächst wurde ein Festpunktfeld erkundet, mit Stahlrohren vermarkt und trianguliert. Von den 10 Festpunkten wurden dann mehr als 4000 Einzelpunkte zwischen den Landhäusern und der Zisternenanlage aufgenommen. Die Nordrichtung liess sich mit Hilfe der geodätischen Astronomie (Polaris) auf dem höchsten Festpunkt im Gelände bestimmen. Die Messdaten wurden in REC-Modulen gespeichert und später mittels Leica-Interface GIF10 zur Weiterverarbeitung an ein Notebook übertragen. Mit institutseigener Software konnten die Messwerte in Koordinaten umgerechnet werden.
Während der zweiwöchigen Vermessungsarbeiten galt es, die Kleinformen zusammengestürzter Häuser (durch Hanglage entstandene Terrassen oder Krater mit rechteckigem Grundriss an ebenen Geländestellen) zu erfassen. Alle gemessenen Kleinpunkte von Hand zu kartieren, hätte einen erheblichen Zeitaufwand bedeutet. So wurde beschlossen, die Messwerte mit LISCAD darzustellen. Das Team hatte vor dem Abflug nach Syrien eine Testversion der Software erhalten, die trotz fehlender Einarbeitungszeit mitgenommen worden war. Trotzdem konnte nach einem Tag auf dem Notebook-Display eine ordentliche Ansicht des bereits aufgemessenen Geländes dargestellt werden! Eine gute und ausführliche Online-Hilfe gab die Antworten auf offene Fragen. Der Rest liess sich durch "Trial-und-Error" herausfinden. Mit diesem Hilfsmittel konnte die antike Stadt Al Hallul komplett kartiert werden. Das heisst, der Grundriss von alten und neuen Gebäuden, Wegenetzen, Zisternen, etc. wurde auch gleich mit den verschiedensten Signaturen und Farben dargestellt.
Die zum Teil nur stückweise erkennbaren Mauerreste liessen sich durch die zahlreichen Berechnungsmöglichkeiten von Hilfspunkten zur vollen Zufriedenheit rekonstruieren. Mit der Funktion "Terrain Model" gelang es, die entstandenen Terrassen durch Höhenschichtlinien darzustellen. Nach Beendigung der Feld- und Büroarbeiten folgte ein Feldvergleich des Lageplans der Anlage im Rechner mit den wirklichen Gegebenheiten.
Alles in allem hat LISCAD gezeigt, dass es sich hier um ein leistungsfähiges Programmpaket mit hoher Leistung handelt, durch das sich auch grosse Datenmengen in kurzer Zeit bearbeiten lassen!
Abschliessend möchten wir uns für die gute Zusammenarbeit bei Dr. Michaela Konrad und Professor Dr.Tilo Ulbert vom Deutschen Archäologischen Institut sowie bei cand. Ing. Christian Gerlach und cand. Ing. Michael Hosse bedanken.